Hilfe! Ich kann keinen Kaffee mehr trinken!

Ein Bericht vom Berufsparcours in Mittelfranken

Da sitze ich jetzt mitten in dieser großen Aula der Senefelder Schule in Treuchtlingen. Treuchtlingen ist in Franken südlich von Nürnberg, nördlich von München und das was man wohl eine langsam ausblutende Region nennt. So in etwa, wie der Vogelsberg. Auf jeden Fall ist es hier wunderschön. Eine auch touristisch sehr bekannte Gegend. Zum Radeln und Wandern. Ich bin hier direkt im Altmühltal. Sagt Euch nichts? Nun, dann googelt das doch mal. Ich wollte nämlich eigentlich erzählen, wie es hier auf diesem Berufsparcours ist. Den Berufsparcours betreue ich nun schon das 4. Mal in Treuchtlingen. Insgesamt hat er schon fünfmal stattgefunden. Und die Schülerinnen sind jedes Jahr wieder begeistert. Oft sind sie sogar mehrere Jahre hintereinander begeistert. Das ist gut so. Um die Jugendlichen geht’s hier schließlich auch. Und ganz besonders um die Mittelschülerinnen geht es. Hier im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen gibt es ungefähr 1000 Mittelschülerinnen und -schüler verteilt über verschiedene kleinere und größere Schulen. Seit 5 Jahren arbeiten wir mit einigen von ihnen im Projekt Mittelschulen – Arbeitswelt – Partnerschaft in der Region. Aber worum es dabei geht, das erzähl ich dann mal an anderer Stelle. Jetzt bin ich auf jeden Fall hier in dieser Aula beim Berufsparcours. Zusammen mit 150 Schüler/innen und ungefähr 23 Unternehmen. Die Unternehmen haben alle ihre Auszubildenden mitgebracht, die den Schülerinnen nun zeigen, was es alles für Berufe gibt und vor allem, wie sich manche Berufe anfühlen.

Oder auch wie man sich in andere Menschen hineinfühlt… in diesem speziellen Fall zumindest. Ich sitze auf einem Stuhl und meine Hände zittern wie verrückt. Angetrieben durch kleine Elektroschocks zittern meine Hände so sehr, dass ich meine Kaffeetasse nicht halten kann, die Tasse klappert ebenso verrückt auf der Untertasse wie meine Hände und Frederick, der neben mir steht lacht sich halb kaputt. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich lachen oder schreien soll. Tut eigentlich ganz schön weh. „Jetzt beeilen Sie sich doch mal ein bisschen! Da stehen noch andere Leute hinter Ihnen an der Kasse!“ bellt mich die (eben noch so nette) Frau neben mir an. Ich versuche mit meinen elektrisch zitternden Händen mittlerweile Kleingeld aus einem Geldbeutel zu holen und es abzuzählen. Nahezu ein Ding der Unmöglichkeit! „So also fühlt sich Parkinson an, sagt die (jetzt wieder nette) Frau zu mir. Sie ist übrigens Altenpflegerin und hat die fiesen Elektroschock-Handschuhe mit zum Berufsparcours gebracht, damit die Schülerinnen und Schüler sich ein Bild davon machen können, wie man sich als Parkinson-Patient fühlt. Es gibt auch einen Gewichtsanzug und Brillen, mit denen man nichts sieht. Die Schüler/innen bekommen dadurch ganz praktische Einblicke, wie man sich einige Berufe vorstellen kann. (Frederick lacht jetzt übrigens nicht mehr. Er versucht mit zitternden Händen eine Unterschrift bei der Bank zu leisten während hinter ihm die Schlange immer länger und länger wird und die nette Frau wieder anfängt zu bellen..)

Der Berufsparcours ist bei den Schüler/innen, die alle zwischen 12 und 16 sind sehr beliebt. Sie können Buchstaben löten, Mauernverbünde legen, Törtchen backen oder Marzipanfiguren formen, ausprobieren wie ein Friseur die Haare legt, mit den Lichtreklameherstellern Schilder bearbeiten und Glas schneiden.

Das besondere an dieser Form der Berufsorientierung ist die Praxisnähe, die sie den Schüler/innen bietet. Sie finden sehr schnell raus, ob die berufliche Richtung etwas für sie sein könnte und die Auszubildenden der Unternehmen sehe sehr schnell, wer von den Schüler/innen am Gruppentisch sich für das nächste Praktikum am besten eignen würde.

Wir haben nun schon sehr oft gehört, dass Mittelschüler/innen über den Berufsparcours den Weg zu einem Ausbildungsplatz in eines der beteiligten Unternehmen gefunden haben. Das gefällt uns! Mehr Fachkräfte, die in der Region bleiben und die regionalen Strukturen stärken! Toll.

 

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Das auf dem Foto bin übrigens ich. Da mache ich zusammen mit unserem Partner im MAP Projekt (Mittelschulen – Arbeitswelt – Partnerschaft) Karl Scheuer (HERMANN GUTMANN STIFTUNG) gerade Törtchen bei den Bäckerinnen. Ob die uns wohl auch in die Ausbildung nehmen würden!?
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