Globale Gerechtigkeit durch Verringerung des Ressourcenverbrauchs

Teilnehmer/-innen des Workshops "Unser täglicher ökologischer Rucksack" am 8.7.2014 im Weltladen erfuhren, was sie tun können, um auch zukünftigen Generationen und Menschen in anderen Ländern die Nutzung der Erde und ihrer Ressourcen nicht vorzuenthalten

Als Teil der Reihe „Wetterau im Wandel“ fand am 8.7. ein Vortrag mit dem Titel „Unser täglicher ökologischer Rucksack“ im Weltladen statt. Holger Rohn und Tobias Engelmann der Trifolium Beratungsgesellschaft mbH in Friedberg stellten den Teilnehmer/-innen vor, wie unsere eigenen Praktiken und Konsumgewohnheiten aus der Perspektive des globalen Ressourcenverbrauchs zu beurteilen sind und was wir tun können, um einen Beitrag für eine auch-noch-in-Zukunft-bewohnbare-Erde zu leisten. Der Weltladen war mit knapp 30 Zuschauern sehr gefüllt und das Publikum beteiligte sich mit vielen Fragen. Auch im Nachgang der Veranstaltung gab es eine Reihe an Feedback und Nachfragen. Hier also noch einmal eine Zusammenfassung des Vortrags.

 

Mit dem Konzept des ökologischen Rucksacks kann man den Ressourcenverbrauch eines Menschen, eines Produktes oder einer Dienstleistung darstellen und vergleichen. Es gibt das Gewicht der Ressourcen an, die tatsächlich verbraucht werden, und zwar inklusive der Ressourcen, die für die Gewinnung der Rohstoffe, die Energieproduktion, den Herstellungsprozess, den Transport und die Entsorgung verwendet werden. Im Gegensatz zu Nachhaltigkeitslösungen und -maßnahmen, welche zum Beispiel lediglich auf das Energiesparen oder auf nachgelagerte Prozesse, wie Recyling, Rücksicht nehmen, sollen dabei eben Umweltbelastungen im gesamten Lebenszyklusses eines Produktes mit einbezogen werden. Das Konzept wurde bereits 1994 von Friedrich „Bio“ Schmidt-Bleek, damaligem Leiter des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt, Energie, eingeführt und findet in letzter Zeit immer stärker an Anerkennung und Anwendung.

 

Die globale und generationsübergreifende Gerechtigkeit ist das übergreifende Ziel dieses Konzeptes. Denn in der Weise und dem Ausmaß, wie wir derzeit Ressourcen verbrauchen, können weder zukünftige Generationen existieren, noch haben weniger entwickelte Länder die Möglichkeit zu wachsen. Im Gegenteil, nur durch das Ungleichgewicht ist der Wohlstand, wie wir ihn leben, möglich. Wir leben momentan so, als ob wir vier Planeten Erde zur Verfügung hätten und 18% der Weltbevölkerung nutzen 80% der Ressourcen. Ein Inder, der auf dem Land lebt, hat einen ökologischen Rucksack von 3t im Jahr, ein Deutscher von 70t im Jahr und ein Amerikaner von 130t im Jahr. Die Experten/-innen sind sich einig, dass mit wachsender Weltbevölkerung eine drastische Verringerung des Ressourcenverbrauchs in Industrienationen notwendig ist. Für ein nachhaltiges Level müsste sich der Ressourcenverbrauch um einen Faktor 10 verringern. In der Politik gibt es dazu mittlerweile gemäßigte Ziele: Das Umweltbundesamt fordert bis 2020 eine Verringerung um einen Faktor 2,5 gegenüber dem Stand 1997.

 

Innerhalb des Workshops wurde vorgestellt, wie diese Verringerung aussehen kann. In einer Studie von finnischen Haushalten wurde der Status Quo erfasst und dann berechnet, was geschehen müsste, um ein nachhaltiges Level zu erreichen. Dabei fiel auf, dass die Bandbreite innerhalb eines Landes immens ist. In Finnland verbrauchen die verschwenderischsten Haushalte 14 mal so viele Ressourcen, wie die Sparsamsten. Die drei großen Verbrauchsfelder sind Ernährung, Wohnen und Mobilität.

 

Im Bereich der Ernährung kann schon viel dadurch erreicht werden, wirklich nur das zu essen, was man braucht und nichts wegzuwerfen. Ein großes Thema in Bezug auf Ressourcenverbrauch ist aber auch die Produktion von tierischen Lebensmitteln. Von dem Ressourcenverbrauch während der Futtermittelproduktion und der Haltung bis hin zum CO2 Ausstoß, tierische Nahrung verbraucht eine Unmenge an Ressourcen im Gegensatz zu pflanzlicher Nahrung. Deshalb sollte darauf geachtet werden, mehr Cerealien, Gemüse und Obst zu Essen und auch auf Fleisch zu verzichten. In den Ernährungsempfehlungen des Bundesministeriums sind einige ähnliche Leitlinien dazu zu finden. Im Bereich des Wohnens wird es schon etwas schwieriger, doch wie könnte ein nachhaltiges Niveau aussehen? Um wirklich den Faktor 10 zu erreichen müsste der Wohnraum pro Person auf 20 Quadratmeter in einem ressourcenschonend errichteten Niedrigenergiehaus, ohne Baustoffe wie Aluminium oder Glas für Fassaden, gebracht werden. Ein fast utopischer Maßstab, dennoch ein konkretes Ziel, über welches wir uns Gedanken machen können. Auch im Bereich der Mobilität muss einiges überdacht werden, so auch zum Beispiel Innovationen wie Elektroautos. Sie werden mit hohem Ressourcenverbrauch produziert und sind aufwendiger zu entsorgen wie die bisherigen Autos. So lange der Strom nicht von der Sonne kommt ist auch die Ökobilanz nicht besser wie bisher. Wir müssten von den Gedanken von Privatautos immer mehr wegkommen, Fahrrad fahren, Bahn nutzen und viele Fahrgelegenheiten mit Menschen teilen. Die Wissenschaftler berechneten, dass ein wirklich nachhaltiges Level bei maximal 10.000km pro Person und Jahr inclusive Tourismus und Wege zur Arbeit erreicht wäre.

 

Was deutlich wird, ist dass ein Zusammenwirken nötig ist und an mehreren Stricken gezogen werden muss. Zum einen müssen wir wieder lernen zu teilen – das gemeinsame Essen, Wohnen und Fahren wird unter Ressourceneinsparungsgesichtspunkten immer wichtiger. Das Nutzen von Produkten sollte wichtiger als der Besitz von Produkten werden. Technologische Innovationen können dafür sorgen, dass ressourcenschonender produziert werden kann und Produkte langlebiger werden. In der Politik sollte es vor allem darum gehen, die Produkte die ökologische Wahrheit sprechen zu lassen. Der Preis von Produkten heutzutage spiegelt die Ressourcen und Arbeitskraft, welche darin einfließen, einfach nicht wider. Letztendlich müssen wir davon loskommen, die Erde und ihre schwächsten Lebewesen unnötig für die Befriedigung von übermäßigem Wohlstand zu belasten und die schönen Seiten des Leben finden und genießen ohne dabei ausbeuten zu müssen.

 

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