Durch Bürgerinitiativen Ideen für alternative Lebensformen umsetzen

Die Veranstaltung am 20.9.2014 zu dem Thema "Wachstumswahn" bot viel Anregung für kleine aber in Masse und Vielfalt vielleicht gesellschaftsverändernde Initiativen

Die Buchvorlesung mit anschließendem Workshop am Samstag im Bibliothekszentrum Friedberg regte zum Nachdenken an. Zunächst gaben Dr. Friedrich Hinterberger und Christine Ax, die AutorInnen des Buches “Wachstumswahn – Was uns in die Krise führt – und wie wir wieder herauskommen”, eine Einführung in ein aktuelles Thema. Wie hat sich eigentlich das wirtschaftliche Wachstum seit den 1950er Jahren entwickelt und verändert und wie wird die Relevanz von wirtschaftlichem Wachstum in der Öffentlichkeit und Politik behandelt. Im Allgemeinen gilt zum Beispiel, dass wirtschaftlicher Wachstum tendenziell die Lebensqualität steigert, sowie Arbeitsplätze, Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit sichert und Armut reduziert. Doch die ReferentInnen sehen genau die positiven Eigenschaften, die viele Menschen in wirtschaftlichem Wachstum sehen, als problematisch an. Wir alle wissen, dass materielle Güter die Zufriedenheit unserer Leben kaum dauerhaft steigern können, somit stellt sich die Frage, was wirklich eine qualitative Verbesserung des Lebens ausmacht. Arbeitsplätze sind sehr wichtig für uns alle, doch ist die Zunahme von Arbeitsverdichtung und Stress nicht unterzubewerten. Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit sind wohl wichtig, doch auf welche oder wessen Kosten? Natürliche Ressourcen sind der Treiber des wirtschaftlichen Wachstums, ihre Knappheit das Problem, mit welcher die Weltwirtschaft konfrontiert ist – ein Ausgangspunkt für internationale Konflikte. Dass Armut durch wirtschaftliches Wachstum verringert werden kann ist ein umstrittener Punkt, die sehr unbalancierte Anhäufung von Reichtum und das Wachsen von sozialen Ungleichheiten ein gravierendes Problem.  Letztendlich sind es die gleichen Kräfte die Wachstum treiben und die an irgendeinem Punkt dem Wachstum ein Ende setzen könnten.

 

In einer sehr regen Gesprächsrunde wurde dann im zweiten Teil diskutiert, was als Einzelpersonen, gerade wenn man der gesellschaftlichen Entwicklung kritisch gegenüber steht, getan werden könnte, um Nachhaltigkeit zu fördern. Die TeilnehmerInnen ließen zum einen das Gefühl von Hilflosigkeit vermerken. Zum anderen wurden jedoch einige Ideen besprochen, wie man an einem Umdenken in der Gesellschaft mitwirken kann. Zum Beispiel ist der Trend zu dem Besitz von Privatautos ein gravierendes Problem für den Verkehr und den globalen Ressourcenverbrauch. Während junge Menschen in Städten schon häufiger auf den Besitz von Privatautos verzichten und öffentliche Verkehrsmittel benutzen, ist dies für Bevölkerung in eher ländlichen Gegenden etwas schwieriger aufgrund von sehr sporadischem Busverkehr. Die Möglichkeit von Alternativen für Personennahverkehr wurde besprochen, zum Beispiel könnten registrierte Privatautos oder Sammeltaxis Linien häufiger als Linienbusse befahren. Diese Möglichkeit wird in vielen Ländern genutzt - in Thailand heißen sie “Tuk-Tuk”, in Lateinamerika “Colectivos”, in der Türkei “Dolmuş”. Wieso nicht auch in Deutschland?

 

Letztendlich gibt es eine Menge an Ideen zur Nachhaltigkeit und engagierte BürgerInnen, die diesjährige “Degrowth” Konferenz  in Leipzig mit über 2.500 Besuchern ist nur ein Anzeichen dafür. Die Umsetzung von Ideen und die nachhaltige Wirkungskraft dieser Bewegung bedarf jedoch viel Koordination und Initiative. Die Unterhaltung über alternative Lebensformen muss weitergeführt werden und das Denken beweglich bleiben – was derzeit noch Ideen sind, könnte morgen nämlich schon zur Notwendigkeit werden. Die TeilnehmerInnen gingen an diesem Tag mit dem Vorsatz auseinander an dem Thema dranzubleiben, ein Stammtisch mit etwas anderen Gesprächsthemen könnte vielleicht schon bald Realität werden.

 

 

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