Kleider machen Leute – wie Textilien die Welt verändern

Als Teil der Reihe „Wetterau im Wandel“ fand am 28.4. ein Vortrag des Unternehmens hessnatur mit dem Titel „Kleider machen Leute – wie Textilien die Welt verändern“ im Weltladen Bad Nauheim statt. hessnatur gilt im deutschsprachigen Raum als größter Anbieter für natürliche Mode und als Vorreiter für heutige Öko- und Sozialstandards in der Textilproduktion. Thomas Merten, Geschäftsführer der Trifolium – Beratungsgesellschaft mbH in Friedberg, begrüßte die Zuhörer/-innen und stimmte sie auf das Thema des eineinhalbstündigen Vortrags ein.   Zu Beginn des Vortrags skizzierte Sven Bergmann, Referent in der Unternehmenskommunikation von hessnatur, die Geschichte der Textilproduktion. Während die Textilindustrie lange Zeit zu den bedeutendsten Industriezweigen Europas gehörte, findet der Großteil der Textilproduktion nun außerhalb Europas statt, häufig unter menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen. Vorfälle, wie beispielsweise der Brand in der Textilfabrik in Bangladesch, zeigen schmerzlich, dass große Missstände hinsichtlich Sicherheits- und Sozialstandards existieren.   Eine Faire Produktion der Textilien wird bei hessnatur durch die Einhaltung sozialer und ökologischer Standards entlang der gesamten Wertschöpfungskette gewährleistet. Kontrolle und Transparenz bieten die Mitgliedschaft bei der Fair Wear Foundation, die auf die Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der Kleidungs- und Textilindustrie abzielt, die Verpflichtung der Einhaltung des Global Organic Textile Standard (GOTS) und der Fairtrade-Standards, so Renate Gogler, Designerin bei hessnatur. Im Anschluss stellte sie ausgewählte Anbauprojekte wie Bio-Baumwolle aus Burkina Faso und Hessen-Leinen vor und ging auf das Röhnschaf-Projekt ein, dessen Wolle gleich in der Nachbarschaft gewonnen sowie verarbeitet werden kann und hessnatur einen Beitrag dazu leistet, die Tierart vor dem Aussterben zu schützen. Mitgebrachte Kleidungsstücke der hessnatur-Kollektion veranschaulichten, wie die gewonnenen Materialien in verarbeiteter Form aussehen und sich anfühlen. Besonders am Herzen lag Frau Gogler das Projekt New SADLE. Der Verein Nepra e. V. gründete in Kathmandu eine Leprastation, die Leprakranke gesund pflegt und zu einer neuen Chance durch Arbeit in Werkstätten verhilft. Dort gefertigte Accessoires können bei hessnatur erworben werden.   Im Anschluss stellte Dagmar Reichardt, Texterin im Bereich Markenkommunikation, den Zuhörer/innen den „holistischen Ansatz“ von hessnatur vor. Dieser ganzheitliche Ansatz bezieht soziale und ökologische Aspekte sowie die nachhaltige Produktion entlang der gesamten Wertschöpfungskette, vom Faseranbau bis zum Kollektionsversand, gleichermaßen mit ein. Neben den Bestrebungen des Unternehmens kontinuierliche Verbesserungen in den Bereichen Ökologie, Arbeitsbedingungen, faire Handlungsbeziehungen, nachhaltige Produktion und nachhaltiger Konsum zu erlangen, sieht sich hessnatur auch mit Problemen konfrontiert. Insbesondere Schwierigkeiten bei der Suche nach Verarbeitungsbetrieben für bestimmte Naturstoffe wie z. B. Hanf, kulturelle Differenzen oder der wachsende modische Anspruch stellen das Unternehmen immer wieder vor Herausforderungen, die es zu lösen gilt.   Der Weltladen war mit knapp 30 Zuschauern sehr gut gefüllt und das Publikum beteiligte sich mit vielen Fragen, die das große Interesse an dem Thema und dem Unternehmen widerspiegeln.

Frau Renate Gogler zeigt einen Schal, der in Nepal durch das Projekt New SADLE gefertigt wurde

Frau Renate Gogler zeigt einen Schal, der in Nepal durch das Projekt New SADLE gefertigt wurde

Diana Neundorf

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