Minimalismus und Nachhaltigkeit

Wie kann das ökologisch sinnvolle "weniger" gestaltet werden?

Minimalismus als Weg zur Nachhaltigkeit
 
 

„Wem genug zu wenig ist, dem ist nichts genug.“ – Epikur, griechischer Philosoph
 

Unser grenzenloser Konsum stellt die Belastbarkeit der Ökosysteme auf eine harte Probe. Immer kürzer werden die Technik- und Mode-Zyklen – Heute Smartphone, Tablet und Notebook – morgen dann 4K-Fernseher (gerne gebogen) und Smart Watch. Und für unseren entgrenzten Konsum werden rund um den Globus Menschen ausgebeutet. Moderne Sklavenhaltung ist kein Mythos, sondern bittere Realität1.
Soweit zum Problem. Jetzt zur Lösung im Sinne unserer Serie „Suffizienzsstrategien im Alltag“:

 

Niko Paech, ein Postwachstumsökonom, stellt die Frage nach der Sinnhaftigkeit unseres Konsums: Was machen die gekauften Dinge mit uns? Nach ihm binden sie unsere Zeit und verlangen Aufmerksamkeit. So wird das Versprechen von Freiheit, welches die Werbung gerne bemüht, ins Gegenteil verkehrt und wir werden zu Getriebenen unseres eigenen Besitzes. Oder anders formuliert:

 

Von welchen Energiesklaven, Konsum- und Komfortkrücken ließen sich übervolle Lebensstile und schließlich die Gesellschaft als Ganzes befreien?2

 

Das, was sich viele von Konsumgütern wie einem Dampfgarer oder dem neuen Saugroboter versprechen, nämlich eine Entlastung im Alltag, wird paradoxerweise durch Konsumverzicht erreicht. Die Strömung hinter der gewählten Einfachheit nennt sich Minimalismus. Vielen der Menschen, die Minimalismus zu ihrer Lebensphilosophie erhoben haben, geht es darum, nicht nur das Außen zu entrümpeln, sondern auch inneren Ballast abzuwerfen. Besitz bindet uns und macht uns zumindest in einem gewissen Maße unfrei. Durch moderat praktizierten Minimalismus erreichen wir das „rechte Maß“, den nötigen Grad an Besitz, der unser Wohlbefinden nicht stört und dennoch haben wir so viel, wie wir brauchen. So werden Räume eröffnet, um über Sinn nachzudenken, einer neuen Aktivität oder einem sozialen Engagement nachzugehen. Ganz im Sinne des psychologischen Reichtums (siehe den ersten Artikel dieser Serie). Für die Umwelt springt auch einiges dabei heraus: Die meisten Konsumgüter benötigen viele Ressourcen in der Herstellung und oft auch über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg. Ein Beschränken auf das Nötige schont somit Ressourcen, Nerven und Geldbeutel.
 
Wie Minimalismus konkret gestaltet wird, ist sehr unterschiedlich. Manche Menschen konzentrieren sich darauf, möglichst wenig zu besitzen, andere eher darauf nicht mehr viele neue Dinge zu kaufen. Allen geht es aber um das bewusste Konsumieren und die Frage “Brauche ich das wirklich?”.

 
 
„Aber ich will auf nichts verzichten!“

Oft hört man beim Thema Minimalismus „Ich könnte nicht auf so viel verzichten!“. Aber es ist eigentlich keine Option, unseren Konsum nicht zu reduzieren. Reduktion in westlichen Lebensstilen ist eine der Grundsäulen für eine ökologisch tragfähige Zukunft. Aber „Verzicht“ hat wie oben beschrieben auch positive Seiten. In einem persönlichen Beitrag zum Thema „Was ist Verzicht?“ auf Plattform Footprint heißt es daher:

 

„Was viele Menschen als Verzicht bezeichnen, nenne ich Befreiung von Zwängen und Ballast. Warum soll ich Dinge konsumieren, die ich nicht brauche? Dafür müsste ich doch wieder mehr arbeiten.“

Weiterlesen auf plattform-footprint.de

 
 
Wie viele Dinge es doch gibt, die ich nicht brauche.“ – Sokrates

Man denke nur an die vielen überflüssigen Geräte, Erfindungen und „Alltagsverbesserer“. Die Werbeindustrie hat eine ganz eigene Form von Meisterschaft darin errungen, neue Bedürfnisse in uns zu wecken und uns zum Kaufen zu animieren. Sich dieser Mechanismen bewusst zu werden ist sicherlich der erste Schritt zur Entrümplung des eigenen Alltags. Beobachten Sie in den nächsten Tagen doch einmal genau, mit welchen Versprechungen Werbung versucht, Sie zum Konsumieren zu bewegen.

 
 

Blogs und Seiten zum Weiterlesen mit vielen konkreten Beispielen:

 
 

Quellen:

1: http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2013-10/moderne-sklaverei-studie

2: http://www.postwachstumsoekonomie.de/material/grundzuege/

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