Der Weg in eine Postwachstumsgesellschaft

Um was geht es bei dem Konzept "Postwachstum"?

Postwachstum als alternatives Gesellschaftsmodell

 

 

Eigentlich keine Suffizienz-Strategie im Alltag und dennoch interessant: Postwachstumsgesellschaft und -ökonomie. Diese recht junge Forschungsrichtung beschäftigt sich damit, wie eine Gesellschaft ohne wirtschaftliches Wachstum aussehen könnte.
Folgende vier Gründe für die Notwendigkeit einer Postwachstumökonomie werden angeführt:
 

  • Eine Entkopplung von Wertschöpfung und ökologischen Schäden sei nicht umsetzbar.
  • Eine weitere Steigerung des Einkommens und Konsums führe ab einem bestimmten Niveau nicht zu mehr Wohlbefinden.
  • Wachstum habe auch im Kontext der Entwicklungsländer eine Schattenseite, welche zu negativen sozialen Effekten führen könne.
  • Ressourcenverknappung („peak everything“) führe das Wirtschaftswachstum an ökonomische Grenzen.

 

 

Postwachstum als Alternative zum “Grünen Wachstum”

Damit wendet sich die Idee der Postwachstumsgesellschaft nicht nur gegen das „Weiter so“ der klassischen ökonomischen Ansätze, sondern auch gegen das Konzept der „Green Growth“-Bewegung, die ein grünes, ökologisches und nachhaltiges Wachstumsmodell propagiert und von der Möglichkeit einer absoluten Entkopplung von Wertschöpfung und ökologischem Schaden ausgeht.
Wie sieht nun der Weg in eine Postwachstumsökonomie aus? Niko Paech, Gastprofessor am Lehrstuhl für Produktion und Umwelt an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, skizziert diesen Weg wie folgt:

 

Von der Theorie zur Praxis

Zuerst muss die Suffizienz bemüht werden. Was braucht man wirklich für sein Wohlbefinden und was ist „Wohlstandsschrott“? Hier setzt unsere Serie „Suffizienzsstrategien im Alltag“ an. Dann sollen Selbst- und Fremdversorgung neu ausgehandelt werden und auch wieder Dinge selbst erarbeitet und selbst hergestellt werden. Als Beispiele werden „Eigenarbeit, (urbane) Subsistenz, Community-Gärten, Tauschringe, Netzwerke der Nachbarschaftshilfe, Verschenkmärkte [und] Einrichtungen zur Gemeinschaftsnutzung von Geräten/Werkzeugen“ angeführt. Darauf folgend sollen das regionale Wirtschaften gefördert und Wertschöpfungsketten verkürzt werden. Als ein Mittel dafür nennt Paech Regionalwährungen. Nutzungsdauerverlängerung und -intensivierung können Ressourcenverbräuche weiter minimieren. Am Ende steht noch eine Boden- und Geldreform, welche ökologische Grenzen beachtet. Nachhaltigkeit kann nach diesem Modell also nur durch Schrumpfung erreicht werden.
Ein komplexes aber spannendes Forschungsfeld mit vielen Anknüpfungspunkten in Sachen Nachhaltigkeit. Denn: Wie wollen wir in Zukunft leben? Welche Dinge sind uns wichtig? Wie lassen sich Frieden und Wohlstand für alle schaffen und sichern? Und was ist eigentlich Wohlstand? Diese und weitere Fragen gilt es zu beantworten, auch wenn sie unendlich komplex sind. Postwachstumsökonomie ist hier ein Konzept von vielen, das Antworten geben kann.

 
 
Quellen und Links zum Weiterlesen:
Grundzüge einer Postwachstumsökonomie von Niko Paech
Interview mit Niko Paech

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